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26. Mai 2019

Anlegerskandale & Warnhinweise für Sparer

Wenn das Renditeversprechen winkt, werden Warnhinweise gerne übersehen. So kommt es immer wieder vor, dass selbst sicherheitsorientierte Anleger sich auf außergewöhnliche Anlagemodelle einlassen und – im schlimmsten Fall – einen Totalverlust erleiden.


Liebe Leserin, lieber Leser,

woran merken Sie, dass Gefahr im Verzug ist? Einige unter uns haben dahingehend einen siebten Sinn, der sie vor unangenehmen Folgen schützt. Andere orientieren sich bevorzugt an möglichst gut sichtbar angebrachten Warnschildern. Und wieder andere haben glücklicherweise den oft zitierten gesunden Menschenverstand. Dieser sagt ihnen beispielsweise, dass man sich nicht an den Rand einer Baugrube stellen sollte. Oder dass sie an einem Getränkestand, bei dem in der weihnachtlichen Erkältungssaison die Gläser liebevoll von Hand in einer trüben, lauwarmen Brühe ausgespült werden, kein Getränk bestellen sollte, dessen Alkoholgehalt unter 10 % liegt.

Je höher der in Aussicht gestellte Ertrag, desto riskanter

Gesunder Menschenverstand hilft auch bei Kapitalanlagen. Grundsätzlich gilt: je höher der in Aussicht gestellte Ertrag, desto größer die Gefahr, dass Sie Ihr Kapital oder zumindest Teile davon nicht wiedersehen werden – von etwaigen Erträgen ganz zu schweigen. Deshalb bietet Ihnen eine Anlage in russischen Goldminen-Aktien eine höhere Renditechance als der Kauf einer festverzinslichen deutschen Bundesanleihe.

Der Zusammenhang zwischen Risiko und dem in Aussicht gestellten Ertrag wird noch offensichtlicher, wenn Sie Anlageformen vergleichen, die von ihrer Struktur her identisch sind. So weist beispielsweise heute, im Mai 2019, eine griechische Staatsanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren eine Rendite von mehr als 4 % auf – ihr deutsches Pendant bietet um und bei 0 % pro Jahr. Warum bieten die Griechen so einen hohen Zinssatz? Aus Freundlichkeit? Nein, weil ihnen ansonsten niemand Geld leihen würde. Denn die Käufer lassen sich in Form höherer Zinsen das Risiko bezahlen, dass die Griechen ihrem Versprechen, Zins und Tilgung für diese Anleihe zu leisten, nicht nachkommen können. Sie fordern – im Vergleich zum derzeit sichersten Schuldner der Eurozone, der Bundesrepublik Deutschland – einen Risikoaufschlag. In Fachkreisen spricht man gerne von Spreads. Je höher die Spreads gegenüber sicheren Anlagen, desto stärker nehmen die Käufer die Risiken wahr.

Wenn Sie also in der S-Bahn, im Internet oder im heimischen Briefkasten eine Anzeige entdecken, die Ihnen dieser Tage 5 % p.a. als festen Zins oder als Auszahlungsziel verspricht, dürfen Sie gerne Ihrer Neugier folgen und auf diese Anzeige reagieren. Allerdings sollten Sie sich zuvor bewusst machen, dass dieses Angebot sehr riskant sein dürfte und einen Haken hat, den es zu finden gilt.

Und nein, es wird selbst dadurch nicht weniger riskant, dass beispielsweise ein junges, innovativ wirkendes Unternehmen vor einem Bergpanorama mit grünen Wiesen und weiten Wäldern angibt, mit Ihrem Geld „neue Wege der ökologischen, nachhaltigen Energiegewinnung finanzieren“ zu wollen. Das mag per se zwar löblich sein – aber da es sich um neue, nicht etablierte Wege handelt, nennt man Ihr Geld in Fachkreisen auch Risikokapital. Weil nämlich das Risiko besteht, dass der neue Weg eine Sackgasse sein wird – oder dass der neue Weg leider erst zu einem Ziel führt, nachdem Ihr Kapital bereits vollständig aufgebraucht wurde. Das nennt man dann Totalverlust.

In einem dieser Prospekte stolperte ich über das werblich hervorgehobene „börsenunabhängig“. Aber auch das ist in meinen Augen kein Qualitätsmerkmal, sondern eine Warnung. Denn offensichtlich entzieht sich das Unternehmen damit einer Bewertung seines Wertpapiers durch die Marktteilnehmer. Und das spricht für Intransparenz.

Bitte das Fettgedruckte lesen

Ich kenne Menschen, die sich als extrem sicherheitsorientiert bezeichnen und deswegen eine Anlage in einem Aktienfonds für europäische Standardwerte ablehnen – die aber durchaus willig sind, in derartige Angebote, die ihnen einen hohen, festen Zins in Aussicht stellen, zu investieren. Warum?

Tatsächlich sind es zwei Ursachen, die ich wiederholt identifiziert habe: das Versprechen eines hohen und festen Zinses in Verbindung mit ausgeprägter Lesefaulheit. Wichtig ist die Kombination: Da ist zum einen der Glaube, dass jemand, der etwas verspricht – „Sie erhalten jedes Jahr eine Ausschüttung von 6 %.“ – das auch halten wird, gar halten muss. Und dass im Zweifelsfall der Staat dafür sorgen wird, dass dieses Versprechen eingehalten wird. Das ist ein Trugschluss. Jedes Versprechen ist nur so haltbar, wie der, der es abgibt.

Dann kommt aber noch die Lesefaulheit hinzu. Denn für die meisten dieser Angebote müssen die um Finanzierung nachsuchenden Unternehmen interessierten Anlegern Verkaufsprospekte zur Verfügung stellen. Und hier werden die wirtschaftlichen Gegebenheiten, aber auch die zahlreichen Risiken erläutert. Und gerade bei den unternehmerisch geprägten Angeboten wird – in Fettdruck – regelmäßig der Begriff Totalverlust benutzt oder etwas blumiger davon gesprochen, dass die Emittentin ihren Pflichten nicht nachkommen oder aber die Anleihe zu einem Wert von Null zurückgezahlt werden kann. Wer aber diesen Prospekt nicht abfordert, geschweige denn nicht liest – obwohl er unterschreibt, selbigen erhalten und gelesen zu haben (manche lesen auch diese Klausel oberhalb ihrer Unterschrift nicht) – wird leider auch die Risikohinweise nicht wahrnehmen.

Der Unternehmenssitz gibt erste Hinweise

Ein Tipp: Häufig müssen Sie sich auch gar nicht alles durchlesen. Ich achte zunächst immer auf die Herkunft des Unternehmens bzw. seinen Sitz. Liegt dieser nicht in Deutschland, sollte das durch den Unternehmenszweck erklärbar sein. Soll also die Beteiligung an einer deutschen Büroimmobilie über eine Beteiligungsgesellschaft auf Zypern abgewickelt werden, würde ich den Prospekt umgehend der Altpapiersammlung zuführen. Das gilt insbesondere dann, wenn derartige Kombination durch die Wahrnehmung von Steuervorteilen begründet wird.

Vorsicht vor CFDs

Gewarnt sei – unabhängig vom Unternehmenssitz – auch vor allem, was primär mit Options- oder sonstigem Derivatehandel zu tun hat, hierzu zählen auch sogenannte CFDs, Contracts for Difference. Das sind, selbst wenn Sie diese Instrumente über ihre Hausbank und nicht über eine der zahlreichen Internetbuden kaufen würden, Instrumente für Profis – in der Hand von Laien ist das hinausgeworfenes Geld. Und nein, das sage ich nicht, um Ihnen großartige Gewinnchancen vorzuenthalten, wie Ihnen jetzt in einschlägigen, von diesen Anbietern gesteuerten Internetforen suggeriert wird.

Was viele Anleger immer wieder überrascht: Viele, auch die riskantesten Anlagen, sind trotz einer entsprechenden Finanzmarktaufsicht erhältlich. Der vermeintliche Widerspruch ist aber keiner. Denn die Finanzmarktaufsicht prüft lediglich, ob das jeweilige Angebot formal – also von seiner rechtlichen Struktur – den Anforderungen des europäischen bzw. nationalen Gesetzgebers genügt. Die jeweilige Aufsicht prüft hingegen nicht, ob diese Angebote eine realistische Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg haben oder ob sie so überteuert sind, dass sie mehr Schaden als Nutzen anrichten. Diese Meinung muss sich jeder Anleger selber bilden. Und haftet insoweit auch für seine eigenen Fehler. Deshalb: Bleiben Sie wachsam – nicht nur auf der Baustelle oder am Getränkestand.

Wolff Seitz
Leiter Produktmanagement Investment

Seine ersten beiden Aktien kaufte er als Teenager 1987 inmitten des schwarzen Oktobers – leider nicht am Tiefpunkt und zudem beides deutsche Autotitel, also ohne Risikostreuung. Um diese und ähnliche Fehler zu reduzieren, absolvierte er bei einer norddeutschen Regionalbank zunächst eine Ausbildung zum Bankkaufmann und parallel zu seiner Tätigkeit als Anlageberater ein BWL-Studium an der FernUniversität Hagen. Sein Ziel für ONVEST: Kapitalanlage entmystifizieren – die Börse ist der Wochenmarkt für Wertpapiere – und den Zugang zur professionellen Geldanlage so einfach und komfortabel wie möglich machen.

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