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21. März 2019

Entscheidungen mit Langfristcharakter

Denken Sie bei anstehenden Anlageentscheidungen an die Konsequenzen für Ihre Kinder, Kindes-Kinder und alle nachfolgenden Sprösslinge? Hätte Ihr Urgroßvater dies getan, würden Sie sich eventuell gerade mit der Verwaltung Ihres Millionen-Erbes beschäftigen.


Liebe Leserin, lieber Leser,

der Brexit, also der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union, hat in den vergangenen Jahren eine umfangreiche Berichterstattung nach sich gezogen. Zu den Fakten zählt, dass gerade die Wählerschaft in England und Wales dem Ansinnen positiv gegenüberstand – während Schottland für sich genommen einen Verbleib gewählt hätte. Ebenfalls Gemeingut ist die Erkenntnis, dass die Älteren überwiegend für einen Austritt stimmten, während die Jugend sich mehrheitlich den Zugang zu Europa erhalten wollte. Leider schaffte es die letztere in weiten Teilen des Landes nicht, rechtzeitig genug aufzustehen, um ins Wahllokal zu gelangen.

In diesem Zusammenhang hat mich ein Beitrag Mitte Januar berührt: Danach werden seit dem Referendum am 23. Juni 2016 bis Ende dieses Jahres mehr als eine Million meist ältere Menschen in Wales und England gestorben sein. Da es sich – siehe oben – hierbei zumeist um Brexiteers handeln dürfte, sind wir mit einer immer wiederkehrenden Frage konfrontiert: Sollten Menschen eine Entscheidung treffen dürfen, mit deren Konsequenzen sie sich gar nicht mehr oder nur wenig auseinandersetzen müssen, die dafür aber ihre Mitmenschen umso mehr bzw. langfristiger betrifft?

Was der Brexit und die deutsche Rentenpolitik gemeinsam haben

Nun, wie so häufig, hat es sich die zivilisierte Welt hier einfach gemacht und beantwortet die Frage mit einem klaren ja. In Deutschland kennen wir das Problem übrigens aus dem Bereich der Rentenpolitik: Hier wird immer von einem Generationenvertrag gesprochen. Das zynische dieses Vertrages ist, dass die älteren Generationen auf der einen Seite des Vertrages diesen mit einer Gegenseite schließen, die heute teilweise noch nicht einmal geboren worden ist. Wie sich das mit klassischem Vertragsrecht begründen lässt, ist eine rechtsphilosophische Frage.

Gleiche Problematik im Bereich Kapitalanlage

Das Thema berührt aber in abgewandelter Form auch den Kern unseres Blogs: die Kapitalanlage. So erlebe ich es regelmäßig, dass die Planung für die eigenen Geldanlagen nicht über den eigenen Tod hinausgeht. Wenn das Vermögen bis dahin verzehrt werden will oder muss, ist das selbstverständlich. Aber es gibt doch häufig auch den Fall, dass für die nächste Generation noch etwas überbleiben soll.

Während über diese Tatsache als solche in Familien durchaus gesprochen wird („Für Euch ist auch gesorgt!“), wird die nächste Generation in die Planung der entsprechenden Kapitalanlagen trotzdem selten einbezogen. Über die Gründe dafür will ich an dieser Stelle nicht spekulieren. Aber ich will dafür werben, sich zusammenzusetzen. Denn gerade wenn die nächste Generation noch keine größeren Erfahrungen mit eigenen Kapitalanlagen gesammelt haben sollte, kann hier auch ein Wissenstransfer stattfinden. Zudem eröffnet sich für die für den Erbfall gedachte Kapitalanlage eines heute 80-jährigen, der über eine durchschnittliche Lebenserwartung von weiteren acht Jahren verfügt, ein viel längerer Anlagehorizont von 20 oder gar 30 Jahren, wenn er diese auf die Planung der nächsten Generation abstellt. Das aber ermöglicht bei ansonsten gleichem Risiko viel höhere Renditechancen.

Langfristige Renditen beachten

Wenig überraschend hatten, wenn man in den letzten Jahrzehnten in generationenübergreifenden Anlagehorizonten gedacht und geplant hat, Aktien die Nase vorn. Die Herren Dimson, Marsh und Staunton publizieren seit 2002 in ihrem Global Investment Returns Jahrbuch die langfristigen Renditen von Aktien und Staatsanleihen*. So war in der Zeit von 1969 bis 2018, also über 50 Jahre hinweg, mit internationalen Aktien ein jährlicher Wertzuwachs von 4,7 % pro Jahr zu erwirtschaften – wohlgemerkt: real, also unter Berücksichtigung der Inflation. Mit einem Korb internationaler Staatsanleihen waren es immerhin 4,4 %. Wer also Anfang 1969 10.000 US-Dollar ausschließlich in Aktien investiert hatte, dessen Kinder bzw. Enkel konnten sich Ende 2018 über 99.300 US-Dollar freuen. Wer sich für Anleihen entschied, dessen Erben verzichteten jährlich zwar nur auf 0,3 % Rendite. Über 50 Jahre waren das aber 13.000 US-Dollar weniger. Hier stehen lediglich 86.100 US-Dollar zu buche.

Herr Hätte und Herr Würde sind die reichsten Menschen an der Börse

Und wenn sogar schon mein Urgroßvater Anfang 1900 für eine Aktienanlage optiert und meine Familie diese bis Ende 2018 durchgehalten hätte, wären die Zahlen noch eindrücklicher: Internationale Aktien hätten über diesen langen Zeitraum durchschnittlich 5,0 % pro Jahr erwirtschaftet. Ausgehend von einer einmaligen Anlage von 10.000 US-Dollar wären daraus 3,32 Millionen geworden – was natürlich nicht so glatt von statten ging wie auf der illustrativen Grafik, sondern nur unter teilweise starken Schwankungen. Mit Staatsanleihen wären es jedenfalls nicht einmal 94.000 US-Dollar geworden. Denn Staatsanleihen warfen lediglich 1,9 % jährlich ab – Kriege und Währungsreformen hinterließen hier stärkere Spuren als bei den Unternehmern.

Entwicklung einer Aktienanlage über 10 Jahre

Nun sind die Herren Hätte und Würde bekanntlich die reichsten Menschen an der Börse – aber es ist für den Nachwuchs doch ganz interessant zu wissen, warum er heute noch täglich zur Arbeit gehen muss: weil Urgroßvater die falschen Anlageentscheidungen getroffen hat.

Und auch wenn die skizzierten historischen Entwicklungen kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen sind: Es lohnt sich, mit der nächsten oder gar übernächsten Generation zu sprechen. Und vielleicht nehmen Sie Ihren Finanzberater gleich zu diesem Gespräch dazu. Denn auch dieser muss wissen, dass seine Empfehlungen eine Halbwertzeit haben, die über das Lebensende seiner älteren Kunden hinausgeht.

* Elroy Dimson, Paul Marsh and Mike Staunton, Triumph of the Optimists: 101 Years of Global Investment Returns, Princeton University Press, 2002 - 2019

Wolff Seitz
Leiter Produktmanagement Investment

Seine ersten beiden Aktien kaufte er als Teenager 1987 inmitten des schwarzen Oktobers – leider nicht am Tiefpunkt und zudem beides deutsche Autotitel, also ohne Risikostreuung. Um diese und ähnliche Fehler zu reduzieren, absolvierte er bei einer norddeutschen Regionalbank zunächst eine Ausbildung zum Bankkaufmann und parallel zu seiner Tätigkeit als Anlageberater ein BWL-Studium an der FernUniversität Hagen. Sein Ziel für ONVEST: Kapitalanlage entmystifizieren – die Börse ist der Wochenmarkt für Wertpapiere – und den Zugang zur professionellen Geldanlage so einfach und komfortabel wie möglich machen.

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