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26. Mai 2019

Cannabis als Investment?

Mit zunehmender Legalisierung von Cannabis als Arzneimittel, wächst die Beliebtheit der Hanfpflanze weltweit – auch an den Kapitalmärkten. Doch wie viel Potenzial haben Cannabis-Aktien nun für Anleger und warum genau birgt das Hanfgewächs Klumpenrisiken?


Dieser Tage fragte mich eine Kollegin aus dem Marketing, was ich von einem Investment in Cannabis-Aktien hielte. Auslöser für ihre Neugier war die seit einiger Zeit in einer wachsenden Zahl US-amerikanischer Bundesstaaten um sich greifende Legalisierung von Herstellung, Handel und Konsum der Hanfpflanze. Das wiederum führt in diesem neuen Wirtschaftssegment zur Gründung zahlreicher Unternehmen – und einige von diesen zieht es auch an die Börse, wo sie ihre Aktien zum Handel zulassen. Nun, auch als Nichtraucher – egal von was – bin ich derartigen Investitionen gegenüber nicht per se negativ eingestellt. Und insofern will ich an dieser Stelle auch nicht die medizinischen Einsatzmöglichkeiten gegen die mit Cannabis verbundenen Suchtrisiken abwägen. Mir schoss stattdessen als erstes der Gedanke an Klumpenrisiken durch den Kopf.

Achtung: Klumpenrisiko

Klumpenrisiken entstehen immer dann, wenn man große Teile seines Vermögens auf einen einzigen Anlagegenstand konzentriert. Das kann ein Gemälde sein, eine Immobilie oder ein Unternehmen. Aber auch die Investition in mehrere Unternehmen, die ihrerseits alle einer einzigen Branche angehören, ist ein Klumpenrisiko.

Klumpenrisiken bilden sich in der Vermögensstruktur des einzelnen Anlegers bevorzugt dann aus, wenn Emotionen, häufig ist es die Euphorie, bei seinen Anlageentscheidungen die Überhand gewinnen. Mir persönlich ist das Problem nicht fremd: Meine ersten beiden Aktien erwarb ich 1987 als damals 17-jähriger. Und autobegeistert wie ich damals war, kaufte ich je eine Aktie der BMW AG und der damaligen Daimler-Benz AG – ein klassisches Klumpenrisiko.

Aber was sind schon Einzelschicksale im Vergleich zu gesamtgesellschaftlichen Bewegungen: In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre baute sich eine Welle der Anlegereuphorie auf, die weite Teile Deutschlands, aber auch Europas erfasste. Zwei Dinge kamen dabei – wie so häufig – zusammen: Das Thema war neu und die Geschäftsaussichten schienen prächtig.

Die Telekom-Aktionäre

In diesem Fall stachelte die zunehmende Verbreitung des Internets und die damit in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Nachbarländern einhergehende Privatisierung der ehemals staatlichen Telefongesellschaften die Phantasie der Anleger an. Die Zahl der neu an die Börse strebenden jungen Unternehmen, deren Geschäftszweck um diese und andere neue Techniken kreiste, wuchs rapide. Und so kreierte man eigens für die innovationsgetriebenen Aktiengesellschaften der New Economy ein Börsenhandelssegment: den Neuen Markt. Die Aktien dieser Unternehmen wurden den die Börsengänge begleitenden Banken förmlich aus den Händen gerissen. Die Kurse dieser Neuemissionen verzeichneten in den ersten Handelsstunden, -tagen und -wochen atemberaubende Steigerungen. Dagegen nahm sich eine Investition in Unternehmen wie Münchner Rück oder ThyssenKrupp wie eine spätherbstliche Kutschfahrt durch die Mark Brandenburg aus.

Im Zentrum der Euphorie stand – schon allein aufgrund ihres alle andere Neuemissionen um ein vielfaches übersteigenden Börsenwertes – die T-Aktie, die Aktie der Deutschen Telekom. Im Tennisverein und über den Gartenzaun des Nachbarn hinweg gab es nur ein Thema: Und, wie viel hast Du diesen Monat mit Aktien verdient?

Die Ernüchterung nach dem Rausch

Doch der Euphorie folgte der Absturz. Viele der jungen Unternehmen erwirtschafteten keine Gewinne. Die Anleger merkten, dass die Kurse, die sie zu zahlen bereit gewesen waren, völlig überteuert waren. Erste Unternehmen schlitterten in die Insolvenz. Schließlich wurde der Neue Markt aufgelöst. Die verbliebenen Unternehmen wurden in die bewährten Börsensegmente überführt.

Die Gruppe der so gebeutelten Anleger nennt man heute noch die Telekom-Aktionäre – auch wenn sie gar nicht unbedingt bei Deutschlands seinerzeitiger Volksaktie dabei waren, sondern Anteile an anderen europäischen Telekommunikations- oder Internetwerten erworben hatten.

Bei einigen hält der Kater bis in die Gegenwart an. Diese Anleger hegen aufgrund ihrer seinerzeitigen schlechten Erfahrungen ein anhaltendes Misstrauen gegenüber jeder Form von Unternehmensbeteiligung. Das aber heißt, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Denn die Ursache für die schlechten Erfahrungen war eben nicht, dass Aktien per se schlecht sind, sondern dass diese Anleger, wie oben skizziert, nur Aktien einer Branche oder gar eines Unternehmens erworben hatten – und das auch noch zu einem schlechten Zeitpunkt bzw. auf einem überteuerten Kursniveau.

Zurück zum Cannabis und den Klumpen

Also: Ja, Fehler gemacht – aber die falschen Konsequenzen gezogen. Was uns ins Heute zurückführt. Und zu Cannabis-Aktien. Sicherlich wird es auch hier Unternehmen geben, die ein langfristig tragfähiges Geschäftsmodell aufweisen. Und an denen kann man sich dann natürlich beteiligen. Aber meine Bitte an die junge Kollegin: bitte eben nicht nur in Titel dieser Branche investieren, sondern auch.

Klumpenrisiken sind übrigens, wie ich weiter oben bereits ausgeführt hatte, keine Begleiterscheinung des Kapitalmarktes. Wir treffen sie in allen Lebensbereichen. Nehmen Sie einen Anleger, der ausschließlich in Wohnimmobilien – und das auch noch an einem einzigen Standort, bevorzugt seinem eigenen Wohnort – investiert. Wenn dort innerhalb kürzester Zeit zwei, drei der großen Arbeitgeber Umstrukturierungen ankündigen und es zu massenhaften Entlassungen kommt, fehlen ihm plötzlich zahlungskräftige Mieter. Oder denken sie an die jüngst geführten Diskussionen über Mietpreisbremsen und Enteignungen von Immobilienbesitzern: Wenn sich vermeintlich stabile wirtschaftliche oder politische Rahmenbedingungen ändern, wird sich auch bei dieser einseitigen Vermögensanlage ihr Klumpenrisiko materialisieren.

Klumpenrisiken in der Altersvorsorge

Und wenn es um politische Rahmenbedingungen geht, sei die Altersvorsorge natürlich nicht vergessen: In den vergangenen Jahrzehnten hat die Politik ein feines Netz aus unterschiedlichsten Wegen für die private und betriebliche Altersvorsorge und Vermögensbildung gestrickt. Jeder Weg weist seine spezifischen Vor- und Nachteile auf. Wer aber aus einer ausschließlich auf das Hier und Heute abgestellten Vorteilsabwägung heraus nur auf einen oder zwei dieser Wege setzt, läuft ebenfalls Gefahr, dass sich ein Klumpenrisiko materialisiert.

Beispielhaft hierfür sei an das Jahr 2004 erinnert. Damals wurde das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung erlassen. Mit diesem wurde geregelt, dass auch auf die Leistungen aus Betriebsrenten und Direktversicherungen der Beitrag der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zu erheben ist. Über Nacht fehlten Arbeitnehmern, die sich – teilweise Jahrzehnte zuvor – für die betroffenen Vertragsformen entschieden hatten, fast 20 % ihrer Rente bzw. ihrer Kapitalauszahlung. Das hat die Altersvorsorge – und das Vertrauen – Hunderttausender torpediert.

Deshalb auch hier der Gedanke: Streuen Sie Ihr Kapital und ihre Beiträge. Wenn Sie also kurz davor stehen, den laufenden 100-Euro-Beitrag für Ihren Riester-Fondssparplan um 50 Euro aufzustocken: Zahlen Sie diese vielleicht besser in eine Pensionskasse oder einen ungeförderten Fondssparplan ein. Das mag zwar im ersten Augenblick weniger oder gar keine staatliche Förderung bedeuten: Aber es schützt Sie auch ein Stück weit vor den Auswirkungen künftiger, mitunter überraschender Weichenstellungen in der Sozialversicherungs- und Steuergesetzgebung.

Denn über letztere kann dann auch Cannabis – ob nun in Aktien- oder Tütenform – nicht dauerhaft hinwegtrösten. Vor allem dann nicht, wenn einem das Geld dazu fehlt.

Wolff Seitz
Leiter Produktmanagement Investment

Seine ersten beiden Aktien kaufte er als Teenager 1987 inmitten des schwarzen Oktobers – leider nicht am Tiefpunkt und zudem beides deutsche Autotitel, also ohne Risikostreuung. Um diese und ähnliche Fehler zu reduzieren, absolvierte er bei einer norddeutschen Regionalbank zunächst eine Ausbildung zum Bankkaufmann und parallel zu seiner Tätigkeit als Anlageberater ein BWL-Studium an der FernUniversität Hagen. Sein Ziel für ONVEST: Kapitalanlage entmystifizieren – die Börse ist der Wochenmarkt für Wertpapiere – und den Zugang zur professionellen Geldanlage so einfach und komfortabel wie möglich machen.

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