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An Risiken herrscht kein Mangel

Chancen am Kapitalmarkt gibt es viele – und häufig sind diese mit Risiken verbunden. Wenn Ihnen spontan keine einfallen sollten – wir hätten da ein paar im Angebot.


Gestern erwischte ich mich dabei, während eines Telefonats die Schuhe auszuziehen, mich auf die Sitzfläche meines auf Rollen laufenden Drehstuhls zu knien und mit den Ellenbogen auf die Tischplatte meines höhenverstellbaren Schreibtischs zu stützen. Ich musste breit grinsen, als ich merkte, in welche potenziell halsbrecherische Position ich mich manövriert hatte – aber wie Sie lesen können, habe ich es offensichtlich geschafft, diese unfallfrei zu verlassen.

Hatten Sie präsent, wie gefährlich das Arbeitsleben ist? Viele Risiken nimmt man gar nicht wahr. Und das ist gut so. Denn die Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens ist häufig so gering, dass man seine Zeit nicht darauf verwenden sollte, ihnen nachzuspüren. Umgekehrt gibt es natürlich auch Risiken, die unterschätzt werden. Und Risiken, die überproportional viel Aufmerksamkeit erhalten, obwohl sie eine geringe Relevanz aufweisen.

Risiken bei Kapitalanlagen

Wenn ich mich mit Kapitalanlagen beschäftige, fällt der erste Blick naturgemäß noch nicht auf die Risiken, sondern auf die Ertragschancen. Denn die sind der Anreiz, überhaupt Zeit und Gedanken auf eine Kapitalanlage zu verwenden. Aber spätestens der zweite Blick sollte immer der Kehrseite der Medaille, also den Risiken, gelten.

Sicherlich fallen Ihnen spontan so ein paar Dinge ein, die beim Geldanlegen schief gehen können. So könnten sich die Mieter Ihrer Immobilie als Mietnomaden entpuppen oder das Unternehmen, dessen Aktien Sie kaufen, sich plötzlich Schadensersatzforderungen in Folge einer Produkthaftung ausgesetzt sehen. Oder das Land, dem Sie über den Kauf von Anleihen Geld geliehen haben, signalisiert plötzlich Zahlungsunfähigkeit. Und seit dem Wirecard-Skandal wissen wir, dass auch ein Betrug der Unternehmensleitung eine veritable Gefahr für Ihr Erspartes darstellt.

Verkaufsprospekt klärt über Risiken auf

Wenn Sie meinen, dass es das jetzt aber auch schon weitestgehend war, empfehle ich Ihnen einen Blick in den offiziellen Verkaufsprospekt eines der – ich muss es immer wieder feststellen – transparentesten Anlageformen überhaupt: eines Investmentfonds. Das Kapitel über die Risiken, denen Sie Ihr Geld mit dem Kauf eines Fondsanteils aussetzen, umfasst durchaus zehn Seiten und mehr. Bei einer Zählung bin ich auf über 40 einzeln bezeichnete Risiken gestoßen.

Sicherlich sind einige dieser Risiken einfach nur besondere Ausprägungen allgemeinerer Risiken. Und einige Risiken beschäftigen sich vom Grundsatz her mit derselben Grundidee, dass nämlich ein Kontrahent, also ein Vertragspartner für eines der getätigten Geschäfte, ausfällt – ob nun beim Handel mit Derivaten, der Aufnahme oder Vergabe von Krediten oder der Abwicklung von Transaktionen. Aber das ändert nichts daran, dass Sie hier einen guten Leitfaden zur Hand haben, den Sie vom Grundsatz her auch für andere, nicht ganz so transparente Kapitalanlagen nutzen können. Gehen Sie einfach die von Ihnen ins Auge gefasste Kapitalanlage anhand dieser Risikoliste durch und fragen Sie sich, ob das jeweilige Risiko in dieser oder ähnlicher Form auch für diese Anlageform zutreffen könnte. Und im zweiten Schritt fragen Sie sich dann, für wie wahrscheinlich Sie den Eintritt des jeweiligen Risikos halten.

Wertschwankungen nicht auszuschließen

Denn die bloße Nennung von Risiken und deren Anzahl ist noch kein Gradmesser für die zu erwartende Vermögensminderung, die es zu vermeiden gilt. Das kennen wir alle von den Beipackzetteln unserer Medikamente, in denen die möglichen Nebenwirkungen aufgezählt, dann aber auch mit Hinweisen auf die beobachtete Häufigkeit ihres Auftretens ergänzt werden.

Diese Form der Quantifizierung ist bei den Risiken, die einer Kapitalanlage drohen, leider nur mit Blick auf das Risiko der Wertschwankung möglich. Hier liegen – sofern es sich nicht um eine neu auf den Markt kommende Anlageform handelt – in der Vergangenheit bereits beobachtete Werte vor.

Hingegen wird es schwer, wenn nicht unmöglich sein, etwas speziellere Risiken, wie z. B. das Auseinanderbrechen der Euro-Zone, zu quantifizieren. Dies umso mehr, als dass nur einmal auftreten kann. Reduziert man dieses Risiko auf den Austritt eines einzelnen Landes, wird man vielleicht eher zu einer Abschätzung bzgl. der Wahrscheinlichkeit kommen. Ersatzweise kann man auch nach ähnlichen Vorgängen suchen. Im konkreten Fall könnte man sich mit einem Blick auf den Austritt Großbritanniens aus der EU behelfen.

Auswirkungen von Risiken

Aber jetzt kommt noch der zweite Schritt: Welche Auswirkungen wird das, sofern sich das Risiko materialisiert, auf den Wert meiner Anlage haben? Werden diese Auswirkungen von Dauer oder vorübergehender Natur sein?

Manchmal sind die Auswirkungen auch gar nicht monetärer, sondern eher qualitativer und damit mühsamer Natur. Das wäre z. B. der Fall, wenn die depotführende Stelle, bei der ich meine Wertpapiere verwahre, insolvent geht und der Insolvenzverwalter mich informiert, dass ich mir eine neue Bank suchen muss, auf die er meine Wertpapiere übertragen kann. Da geht mir nichts verloren – ich muss halt nur Zeit investieren.

Aber egal wie man es dreht und wendet: Es muss nicht immer alles glatt im Leben gehen. Und das gilt auch für Kapitalanlagen. Wobei gerade bei Investmentfonds zu sagen ist, dass die Kapitalverwaltungsgesellschaften im Bewusstsein all dieser Risiken ihr Augenmerk darauf richten, genau selbige zu vermeiden oder sich zumindest auf deren Eintritt vorzubereiten. Getreu der Devise „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“. Weswegen ich zugegebenermaßen ein großer Fan dieser Gattung bin und bleibe.

Dennoch sollte sich jeder zumindest einmal in seinem Leben so einen Verkaufsprospekt durchlesen. Denn auch wenn diese Gattung es beim Sachbuchpreis des Deutschen Börsenvereins noch nie auf die Shortlist geschafft hat: Diese Broschüren sind inhaltlich durchaus gehaltvoll – und am Ende hat man das Prinzip und die Funktionsweise von Fonds im Allgemeinen noch besser verstanden und das Wissen um die Kehrseite der Medaille dahingehend erweitert, dass es Erträge ohne Risiko nicht geben kann – oder wie die Engländer so gern sagen: „There‘s no such thing as a free lunch.“

Ihnen wünsche ich abseits der Welt der Börsen trotzdem für die kommenden Tage die eine oder andere Einladung zum Essen,

herzliche Grüße aus Hamburg,

Wolff Seitz
Leiter Produktmanagement Investment

Seine ersten beiden Aktien kaufte er als Teenager 1987 inmitten des schwarzen Oktobers – leider nicht am Tiefpunkt und zudem beides deutsche Autotitel, also ohne Risikostreuung. Um diese und ähnliche Fehler zu reduzieren, absolvierte er bei einer norddeutschen Regionalbank zunächst eine Ausbildung zum Bankkaufmann und parallel zu seiner Tätigkeit als Anlageberater ein BWL-Studium an der FernUniversität Hagen. Sein Ziel für ONVEST: Kapitalanlage entmystifizieren – die Börse ist der Wochenmarkt für Wertpapiere – und den Zugang zur professionellen Geldanlage so einfach und komfortabel wie möglich machen.

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