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Aktiv oder passiv?

Grundsätzlich wird zwischen aktiven und passiven Fonds unterschieden. Erstgenannte werden – wie der Name andeutet – aktiv von einem Fondsmanager verwaltet, passiv gemanagte Fonds nicht. Das bietet Stoff für hitzige Debatten über die Vor- und Nachteile.


Liebe Leserin, lieber Leser,

die meisten von Ihnen werden es wissen: Unsere heutige Überschrift – aktiv oder passiv – behandelt nicht die unterschiedlichen Ansätze zur Gestaltung der Mittagspause in der deutsche Bankenbranche. Vielmehr geht es darum, ob ich mir bei der Auswahl meiner Wertpapiere die Mühe machen soll, mir die dahinterstehenden Unternehmen bzw. Schuldner anzusehen. Oder ob ich einfach alle Wertpapiere kaufe, die der mich interessierende Markt bietet – selbst wenn ich der Meinung bin, dass einige von denen die nächsten fünf Jahre nicht überleben werden. Letzteres nennt man einen passiven Investmentstil, ersteres einen aktiven.

Aktiv oder passiv im Vergleich zur Marktentwicklung

Die Vertreter der beiden Stilrichtungen liefern sich einen andauernden Schlagabtausch hinsichtlich der Überlegenheit ihrer jeweiligen Glaubensrichtung – und als Anleger kann mich auf Wunsch daran beteiligen und mir die Frage stellen, ob ich besser mit aktiv gemanagten oder mit passiv zusammengesetzten Fonds bedient bin. Und leider hat die Antwort viele Facetten.

Die einfachste ist die nach den Kosten: Unternehmen bzw. Schuldner aktiv unter die Lupe zu nehmen, sich eine Meinung zu ihrer finanziellen Qualität zu bilden, kostet Zeit – und damit Geld. Bei passiven Fonds schaut sich die Fondsgesellschaft lediglich einen Index aus, dessen Wertentwicklung dieser Fonds abbilden soll, und bildet die Zusammensetzung dieses Index nach. Diese Aufgabe ist vergleichsweise einfach zu lösen und ermöglicht günstige Konditionen.

Gleichwohl liegen genau deshalb passive Fonds garantiert immer hinter ihrer Benchmark – aktive Fonds haben zumindest die Chance, besser abzuschneiden. Untersuchungen zeigen allerdings, dass die passiven Fonds gegenüber den aktiven häufiger die Nase vorn haben. Das gilt insbesondere in den letzten Jahren. Denn dort ging es an den Börsen meistens nur in eine Richtung: aufwärts.

Die Sache mit den ETFs

Die passiven Fonds firmieren üblicherweise unter der Bezeichnung ETF – das steht für Exchange Traded Fund, also börsengehandelter Fonds. Denn der Anleger erwirbt seine Anteile prinzipiell nicht bei der Fondsgesellschaft bzw. Verwahrstelle des Sondervermögens, sondern über die Börse. Bei der Auswahl unter den jeweils angebotenen Börsenplätzen gilt es deshalb, die klassischen Kriterien zu berücksichtigen: Liquidität, Geld- und Briefspanne sowie ggf. Kosten.

Passive Produkte schneiden übrigens gerade in Hausse-Phasen, also Zeiten steigender Märkte, gut ab, da sie selbst dann voll investiert sind, wenn ihre Macher fälschlicherweise meinen, dass die Märkte einbrechen werden.

Anders in einer marktweiten Abwärtsphase: Hier haben aktive Fonds in Sachen Wertentwicklung die Chance tendenziell besser abzuschneiden als in Aufwärtsphasen. Denn unter anderem dämpft die bei diesen Fonds regelmäßig für Rückgaben von Anteilscheinen vorgehaltene Liquidität die Abwärtsbewegung.

Auf- und Abwärtsbewegungen am Markt

Gerade in engeren, also nicht so liquiden Marktsegmenten, kann ETFs die strikte Ausrichtung am jeweiligen Index zum Nachteil gereichen: Kommt es nämlich in der Abwärtsbewegung zu größeren Anteilscheinrückgaben, müssen ETFs, um Liquidität bereitzustellen, alle Wertpapiere gleichermaßen verkaufen – auch wenn das bei marktengen Papieren bedeutet, diese nur mit einem Preisabschlag veräußern zu können. Manager aktiver Fonds können in solchen Phasen an illiquiden Titeln, von deren Qualität sie gleichwohl überzeugt sind, festhalten und die Liquidität durch den Verkauf anderer Wertpapiere herstellen.

Ein Blick in die Vermögensaufstellung

Weil aber ETFs immer eins zu eins den im Fokus stehenden Index nachbilden, ist für mich als Anleger auch immer ersichtlich, welchen Positionen die Wertentwicklung des Fonds gerade beeinflussen – zumindest dann, wenn ich die Zusammensetzung des Index kenne. Bei aktiven Fonds bekomme ich nur alle sechs Monate eine vollständige Vermögensaufstellung zu Gesicht – und die ist zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung zumeist schon wieder 8 bis 12 Wochen alt.

Den zugrundeliegenden Index eines ETFs im Detail zu kennen, ist übrigens kein Selbstzweck, sondern ermöglicht mir auch eine bessere Risikoeinschätzung. So sollte ich mir gerade bei Rentenfonds darüber im Klaren sein, dass die größten Schuldner zumeist auch das größte Gewicht in meinem ETF repräsentieren. Wenn es sich dabei in einem globalen Rentenfonds um die USA handelt, die trotz ihres gewöhnungsbedürftigen Präsidenten als sehr sicherer Schuldner gelten, habe ich damit vermutlich kein Problem. Aber einen Rentenfonds mit Staatsanleihen ausschließlich von Mitgliedern der Euro-Zone zu erwerben, heißt dieser Tage, dass mehr als 20 % meines Kapitals in Italien liegen. Angesichts der Tatsache, dass Italiens Anleihen in den letzten Wochen auf dem besten Wege schienen, Ramschstatus zu erhalten, nicht wirklich beruhigend, weswegen ich mir gezielt einen ETF würde suchen wollen, dessen Index keine Anleihen der Apenninenhalbinsel enthält.

Sowohl-als-auch statt Entweder-oder

Aber damit will ich es für heute bewenden lassen. Ich hoffe, Sie haben einen Eindruck von dem eingangs zitierten Schlagabtausch erhalten. Persönlich glaube ich, dass es wie so häufig Leben weniger um ein Entweder-oder, sondern vielmehr um ein Sowohl-als-auch geht. Privat arbeite ich deshalb mit Fonds beider Kategorien – und weiß zu berichten, dass auch der Einsatz passiver ETFs ein gerüttelt Maß an Aktivität verlangt, und zwar auf Ebene des Anlegers.

Insofern gehe ich jetzt in meine ganz klassisch ums Essen kreisende Mittagspause, wünsche auch Ihnen erholsame Stunden und verbleibe

mit herzlichen Grüßen

Wolff Seitz
Leiter Produktmanagement Investment

Seine ersten beiden Aktien kaufte er als Teenager 1987 inmitten des schwarzen Oktobers – leider nicht am Tiefpunkt und zudem beides deutsche Autotitel, also ohne Risikostreuung. Um diese und ähnliche Fehler zu reduzieren, absolvierte er bei einer norddeutschen Regionalbank zunächst eine Ausbildung zum Bankkaufmann und parallel zu seiner Tätigkeit als Anlageberater ein BWL-Studium an der FernUniversität Hagen. Sein Ziel für ONVEST: Kapitalanlage entmystifizieren – die Börse ist der Wochenmarkt für Wertpapiere – und den Zugang zur professionellen Geldanlage so einfach und komfortabel wie möglich machen.

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